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    Ziegeldecke: wie wird eine Einhängedecke hergestellt?

    Einst waren Ziegeldecken weit verbreitet, heute werden jedoch sie von moderneren Systemen verdrängt. Ziegeldecken werden meistens als Einhängedecken aus Stahlgitterträgern und Einhängziegeln hergestellt. Einhängedecken bestehen aus statisch nicht mitwirkenden Ziegeln und können mit oder ohne Aufbeton ausgeführt werden. Ziegeldecken aus statisch mitwirkenden Ziegeln werden Elementdecken genannt.
    Fachartikel 145
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    1. Der Ursprung der Ziegeldecke

    1.1 Die Ziegeldecke ist eine sehr alte Erfindung

    Mehrere Erfindungen im Bauwesen sind dem Erfindergeist der alten Römer zu verdanken. Zu den bekanntesten Beispielen römischer Baukunst zählt die Technik des Bogenbaus, die im antiken Griechenland, aus dem die Römer ansonsten vieles übernahmen, unbekannt war. Die Stürze über Maueröffnungen (Fenster, Türen) bestanden dort noch aus Stein oder Holz – Materialien, die nur kleine Spannweiten zuließen. Die Römer perfektionierten hingegen die Technik des Überspannens von Öffnungen im Mauerwerk mit einem Mauerbogen. Diese Technik ließ größere Spannweiten zu und eröffnete ganz neue architektonische Möglichkeiten. Der Bogen ermöglichte aber noch etwas Anderes, nämlich die Verwendung von Ziegeln (mit diesen wurde bis dahin nur Mauerwerk errichtet) zum Bau von Deckenkonstruktionen.

    Ziegelsteine waren neben Natursteinblöcken der ideale Baustoff für Bögen, doch im Unterschied zu Stein waren sie günstig und einfach herzustellen.

    1.2 Ziegeldecke in den Caracalla-Thermen

    Zu den bekanntesten Ziegeldecken zählt die Decke der Caracalla-Thermen, die zu den größten Thermenanlagen des antiken Rom gehören. Die Caracalla-Thermen wurden im 3. Jh.n. Chr. vollständig aus gebrannten Ziegeln erbaut und ihre Decke besteht aus massiven Ziegelgewölben. Die Überreste dieser wunderschönen und riesigen Thermenanlage können noch heute in Rom bewundert werden. Ziegeldecken waren aber nicht nur Räumen mit einer repräsentativen Funktion vorbehalten, denn die praktischen Vorzüge der Ziegeldecke wurden auch in rein funktionalen Räumen wie dem Keller des Kolosseum genutzt.

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    Die Ruine der Caracalla-Thermen kann noch heute in Rom bewundert werden.

    2. Moderne Ziegeldecken: Einhängedecke und Elementdecke

    Ziegelsteine besitzen einen großen Nachteil, der beim Bau von Ziegeldecken sehr deutlich wird: Es handelt sich um vergleichsweise kleine Bausteine, die perfekt für vertikale Konstruktionen geeignet sind, nicht aber für horizontale Konstruktionen wie Decken. Im Gegensatz zu Holzbalken sind Ziegel sehr kurz und können nicht miteinander verbunden werden. Daher war lange Zeit die einzige Möglichkeit, eine Ziegeldecke zu bauen, die Anwendung der Bogenkonstruktion. Mit dem technischen Fortschritt hat sich dies jedoch etwas geändert. Man begann damit, Ziegelsteine mit bewehrtem Beton zu kombinieren, dem geeignetsten Material für horizontale Konstruktionen. So entstanden moderne (Ziegel-)Element- und Einhängedecken, die eine Kreuzung aus Ziegelmassiv- und Stahlbetonbauweise darstellen und die Vorteile beider Baustoffe kombinieren.

    Die Technik des Ziegeldeckenbaus hat sich in den letzten Jahrzehnten radikal verändert. Gewölbte Ziegelkonstruktionen – einschließlich gewölbter Ziegeldecken – gelten heute als eine technisch anspruchsvolle, vor allem aber zeitaufwändige Bauweise, die durch neuere Techniken, wie z. B. die Einhängedecke, verdrängt worden ist.
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    In früheren Zeiten waren alle Ziegeldecken gewölbte Ziegeldecken.

    3. Ziegeldecke – technische Merkmale

    3.1 Hybride Bauweise

    Man kann sagen, dass Ziegeldecken die Vorteile von Ziegelsteinen und Stahlbeton miteinander verbinden. Diese hybride Bauweise bietet mehr Vorteile als das Bauen mit nur einem dieser Baustoffe. Massive Ziegeldecken werden entweder aus Fertigteil-Plattenelementen oder aus Stahlbeton-Balken und Deckenziegeln hergestellt, die je nach Gegebenheiten des Hauses vorgefertigt werden. Diese Elemente werden vor Ort in Einzelteilen verlegt. Einhängedecken werden zudem oft mit Aufbeton versehen.

    3.2 Vorteile von Ziegeldecken

    Ziegeldecken bieten zahlreiche Vorteile, die Hauptvorteile seien hier aufgezählt:

    • - Die Ziegeldecke bildet einen idealen Untergrund für Deckenputz.
    • - Sie ermöglicht einfache Ausführung von Elektroinstallationen.
    • - Sie erfordert keine Schalung oder andere Hilfsmittel, die sonst zum Betonieren verwendet werden.
    • - Die Ziegelsteine verleihen der Ziegeldecke gute Wärmedämmeigenschaften.
    • - Aufgrund der Ziegel ist das Eigengewicht des Deckenaufbaus geringer als das Eigengewicht einer Stahlbetondecke. Dies ist insbesondere bei Altbausanierungen von Vorteil, weil in Altbauten durch eine Veränderung der Dicke und folglich des Gewichts der Geschossdecke die Statik des Gebäudes beeinträchtigt werden könnte.
    • - Die Ziegeldecke lässt sich leicht mit horizontalen Bauteilen kombinieren, sodass die Gefahr von Wärmebrücken minimiert wird.
    • - Zum Bau einer Ziegeldecke mit Aufbeton wird 40 % weniger Beton verbraucht als zum Bau einer Stahlbetonplatte.
    • - Ziegeldecken ohne Aufbeton regulieren das Raumklima auf natürliche Art, denn ihr hochkapillares Gefüge nimmt überschüssige Feuchtigkeit auf und gibt sie bei trockener Luft wieder ab (Stahlbetondecken und Ziegeldecken ohne Aufbeton besitzen diese Fähigkeit nicht).

    3.3 Nachteile von Ziegeldecken

    Wie jedes andere Bauteil hat auch die Ziegeldecke ihre Nachteile, die jedoch geringfügiger sind als die Nachteile der meisten anderen Deckensysteme. Zu den Hauptnachteilen massiver Ziegeldecken zählt ihr Preis, der etwas höher liegt als der Preis von Geschossdecken aus Stahlbetonplatten. Außerdem sind massive Ziegeldecken oftmals dicker als Stahlbetonplatten (dies gilt vor allem für Ziegel-Einhängedecken mit Aufbeton). Bei Neubauten stellt die etwas größere Gesamthöhe des Boden- und Deckenaufbaus kein Problem dar, da sie ohnehin im Voraus eingeplant wird. Bei Altbausanierungen kann dies jedoch zum Problem werden, da dort die Aufbauhöhe des Bodens bereits vorgegeben ist und oft auch wegen der niedrigen Raumhöhe jeder Zentimeter zählt.

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    Die Ziegeldecke ist eine gute Alternative zur Stahlbetondecke und in vielerlei Hinsicht sogar die bessere Wahl, da sie weniger Nachteile aufweist.

    4. Wie wird eine Ziegeldecke montiert?

    Bei Ziegeldecken gibt es mehrere Bauformen, die sich ein bisschen voneinander unterscheiden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Elementdecken, bei denen die Ziegel statisch mitwirken, und Einhängedecken, bei denen die Ziegel nicht statisch mitwirken. Zudem wird zwischen Decken mit und ohne Aufbeton unterschieden. Im Folgenden soll die Montage einer typischen, im privaten Wohnbau häufig verwendeten Einhängedecke mit Aufbeton beschrieben werden.

    4.1 Deckenträger verlegen

    Wie jede Deckenkonstruktion erfordert auch die Einhängedecke eine stabile vertikale Konstruktion (Wände). Auf der Oberseite der tragenden Wand wird mit frischem Mörtel eine ebene Fläche geschaffen. Die werkseitig vorgefertigten Deckenträger werden auf abgeglichene Auflager verlegt. Sie müssen an jedem Ende mindestens 12 cm auf dem Mauerwerk aufliegen. Zwischen Träger und Mauerwerk muss eine Lage Bitumenpappe eingelegt werden. Wenn zwei Träger auf einer Mittelmauer aufliegen, sollten sie entweder versetzt verlegt oder eine Querrippe auf der Mittelmauer mit durchlaufender Bewehrung angeordnet werden. Jede Ziegeldecke wird nach einem Verlegeplan verlegt, dem die Lage des ersten Trägers, die Verlegefolge, die Abstände der Montageunterstützungen (Joche), Ringanker und andere Details zu entnehmen sind.

    4.2 Deckenziegel einhängen

    Die Deckenträger werden meistens im Achsabstand von 45 oder 60 cm verlegt, sodass zwischen ihnen die Deckenziegel eingehängt werden können. Decken- bzw. Einhängeziegel sind an den Seiten so geformt, dass sie auf den Trägern aufgelagert werden können. Die einzelnen Ziegel werden mithilfe einer speziellen Verlegegabel eingehängt. Bei Systemen mit relativ leichten Ziegelträgern kann die Verlegung ohne Hebezeuge erfolgen, schwere Ziegelträger mit größerer Tragfähigkeit oder lange Träger für große Deckenspannweiten sind mit dem Kran zu verlegen. Bei Querrippen, Balkonen, Abfangungen usw. müssen Flachziegel und Zulageeisen eingebaut werden. Die Stoßfugen der Deckenziegel werden nicht vermörtelt, stattdessen wird Vergussbeton eingebracht.

    4.3 Ziegeldecke bewehren und betonieren

    Nach dem Verlegen der Ziegel werden die Bügel der Deckenträger aufgebracht und über allen tragenden und aussteifenden Wänden werden Wandroste ausgebildet. Zur Bewehrung gehören auch Distanzbügel, liegende Zulagestäbe (sog. Kappeisen) und Querrippen zur Lastverteilung. Vor dem Betonieren der Decke müssen die Ziegel gründlich gereinigt und genässt werden, damit eine einwandfreie Verbindung zwischen Trägern und Beton gewährleistet wird. Es ist wichtig, Beton der richtigen Druckfestigkeitsklasse zu verwenden. Aufbeton muss mindestens 4 cm stark sein. Die Unterseite der Decke wird normalerweise verputzt. Die Ziegeldecke darf nicht benutzt werden, bevor der Beton seine volle Festigkeit erreicht hat.

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    In der ersten Phase der Deckenmontage werden die Deckenträger verlegt (Quelle: wienerberger.at).
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    Die Füllkörper (Deckenziegel) werden zwischen die Deckenträger eingehängt. Darauf folgen Kappeisen und andere Bewehrungselemente (Quelle: wienerberger.at).
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    Am Ende wird die Konstruktion mit Aufbeton vergossen und die Einhängedecke ist fertig (Quelle: wienerberger.at).
    Fachartikel 145
    Autor: DaiBau Magazin
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