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    Vom ehemaligen Kletterturm zum „fliegenden Klassenzimmer“

    Der Ötscher-Turm lädt zum Perspektivenwechsel und zum Eintauchen in die Natur des Naturparks Ötscher-Tormäuer ein. Gestaltet wurde der Turm vom Studio HARDDECOR ARCHITEKTUR, dessen Portfolio neben Architektur auch Kunst und Medien umfasst. Die Architekten betonen, dass der ehemalige Kletterturm zum „fliegenden Klassenzimmer“ wurde und dadurch neue Möglichkeiten der Naturvermittlung eröffnete. Er steht damit sinnbildlich für den Paradigmenwechsel — weg von der Event-Kultur, hin zur Wissensgesellschaft.

    Das fliegende Klassenzimmer: Leben, Lernen, Lehren in einer vulnerablen Umwelt

    Der ehemalige Kletterturm im Gelände der Ötscher-Basis Wienerbruck in Niederösterreichs größtem Naturpark Ötscher Tormäuer wurde 2021 völlig neu gedacht. Johanna Digruber und Christian Fröhlich, die gemeinsam das Studio HARDDECOR ARCHITEKTUR betreiben, verwandelten die Turmbrache in ein „fliegendes Klassenzimmer“ und eröffnen damit neue Möglichkeiten der Naturvermittlung. Im Turminneren wurde eine Werkstatt und ein Archiv für Naturartefakte mit zehn Metern Raumhöhe eingerichtet, die über eine vorgelagerte Terrasse direkten Bezug zum Obstgarten erhalten. Der Treppenturm ist um eine Ebene erweitert und erlaubt nun Zugang zu einem geschützten Innenraum und einer Aussichtsterrasse mit Blick auf den Ötscher.

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    Das freie Terrain rundherum ist genauso wichtig, wie die Struktur selbst. So kann man sich dem Turm behutsam nähern, ihn gleichsam umkreisen. (Foto: Christian Fröhlich)
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    Wer den Turm sieht, den packt die Sehnsucht zweifach: erstens, ihn zu begehen und zweitens, oben angelangt, in die Ferne zu schauen…(Foto: Christian Fröhlich)

    form—follies—function*

    Das Programm des adaptierten Turmes geht zurück auf Gartenstrukturen, wie es sie im Landschaftsgarten des 19. Jahrhunderts gab. Sogenannte Folies („architektonische Ausrufezeichen“) generieren Aufmerksamkeit durch ihr Äußeres und erzeugen Erstaunen ob ihrer Nutzbarkeit. Folies gelten als ein zur Form gewordener Ausdruck von Wunschvorstellungen - meist im Verhältnis von Mensch und Natur. Das oftmals scheinbar Funktionslose dieser Strukturen im Spannungsfeld zwischen Kunst und Architektur versetzt ihre Umgebung in eine ästhetische Beziehung zur Natur. Der ehemalige Kletterturm wird zum „fliegenden Klassenzimmer“ und eröffnet neue Möglichkeiten der Naturvermittlung in der Werkstatt der Freiluftklasse, umgeben von einem Sortengarten für Hochlagenobst. 

    Der neue Bildungsraum im Naturpark richtet sich speziell an Lernende und steht allen BesucherInnen des Naturparkzentrums Ötscher-Basis zur Verfügung, die sich für ein Vermittlungsprogamm entscheiden.

    *„Form, Follies, Function“ ist ein ironisches Wortspiel Hans Holleins über die Bedeutung von sogenannten Architektur-Folies. Er verdreht dabei phonetisch das berühmte Diktum von Louis Sullivan: Form follows Function.

    Projekt:

    Name des Projektes: Ehemaliger Kletterturm wird zum “fliegenden Klassenzimmer”
    Architektur, Interieur, Außengestaltung: HARDDECOR ARCHITEKTUR
    Bauherr: Naturpark Ötscher Tormäuer GmbH
    Fotografie: Christian Fröhlich
    Planungsjahr: 2017-20
    Ausführungsjahr: 2020-21
    Gebäudegröße (Bruttogeschossfläche): 93 m²
    Stockwerke: 3
    Grundstücksgröße: 17.530 m2
    Fassade: Dreischichtplatten, Holz (Bestand), ESG Glas, Lärchenholz
    Eingangstür: VSG—ESG Glas
    Innentüren: VSG—ESG Glas
    Geländer: Lärchenholz
    Terrasse: Lärchenholz

    Auftragnehmer:

     
    Malerarbeiten: Malereibetrieb Hubmer Gmbh  
    Zimmerei: Holzbau Dallago & Zefferer GmbH  

    Pläne

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    Lage des Turmes in unmittelbarer Nähe zum Naturparkzentrum Ötscher-Basis am Wienerbrucker Stausee. (Quelle: Christian Fröhlich)
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    Konzept-Diagramm: links eine Zeichnung eines Turmes in einem französischen Landschaftspark aus dem Jahr 1850 und rechts eine Zeichnung des Ötscher-Turmes aus dem Jahr 2019.(Quelle: Christian Fröhlich)
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    Grundrißskizze. (Quelle: Christian Fröhlich)
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    3D Modell des Ötscher-Turmes. (Quelle: Christian Fröhlich)

    Galerie

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    Am Ende darf der Turm das sein, was die jeweiligen Nutzer*innen in ihm sehen wollen: eine Aussichtsplattform, ein Klassenzimmer, eine Werkstatt, ein Architektur-folie, … (Foto: Christian Fröhlich)
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    Der Treppenturm wurde um eine Ebene erweitert und erlaubt nun Zugang zu einer Aussichtsterrasse mit Blick auf den Ötscher. (Foto: Christian Fröhlich)
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    Die Dachterrasse ist ein eigenständiger Kontemplationsraum und wird von einem mäandernden Band aus Holzstäben umschlossen, deren Abstände sich von innen nach außen erweitern. (Foto: Christian Fröhlich)
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    Das „fliegende Klassenzimmer“ eröffnet neue Möglichkeiten der Naturvermittlung und steht allen Besucher*innen zur Verfügung, die sich beteiligen. (Foto: Christian Fröhlich)

    * Titelfoto: Ötscher-Turm / fliegendes Klassenzimmer / Architektur-folie, Quelle: Christian Fröhlich

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    Autor: DaiBau Magazin

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