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    Stift Vorau: klösterliches Leben und reiches Angebot für Besucher

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    Eingebettet in die waldreiche Landschaft des Jogllandes liegt zwischen dem Wechselmassiv im Norden und dem Masenberg im Süden das einzige noch bestehende Augustiner-Chorherrenstift der Steiermark: das Stift Vorau. Das in der Marktgemeinde Vorau in der nordöstlichen Steiermark gelegene Kloster bietet viele Sehenswürdigkeiten und ein reiches Angebot für Besucher.

    1. Geschichte des Stiftes Vorau

    Das Stift Vorau wurde 1163 von Markgraf Otakar III. von Traungau und seiner Frau Kunigunde als Zentrum des Gebetes und der Seelsorge, der Bildung und der Kultur gegründet. Der Salzburger Erzbischof Eberhard I. von Biburg besiedelte das Kloster mit Augustiner-Chorherren aus dem Domstift St. Rupert, der erste Propst des Stiftes wurde Liupold von Travesse (1163–1185). 1237 wurde das Stift durch einen Brand zerstört und wenig später wieder neu aufgebaut. 1453 verlieh Kaiser Friedrich III. dem Stift das heutige Wappen - Apostel Thomas und Greifenfuß. In den Folgejahren wurde das Stift zu einer Klosterburg mit Rüstkammer, Wassergraben, Wehrmauer und Zugbrücke umgebaut, um der drohenden Türkengefahr begegnen zu können. 1844 wurden die Festungsmauern abgetragen und der Wassergraben teilweise zugeschüttet, wodurch das Stift seinen Burgcharakter verlor.

    Während der Reformation drohte das Stift zu erlöschen, blühte aber seit der Zeit des Propstes Matthias Singer (1649–1662) wieder auf. Das Kloster erwarb sich große Verdienste um das Schulwesen und blieb deswegen während der josefinischen Säkularisierung im 18. Jahrhundert verschont. 1940 wurde das Stift aufgehoben und im April 1945 in einem Brand schwer beschädigt. Im Mai 1945 kehrten die Augustiner-Chorherren in das Stift zurück und in den kommenden Jahrzehnten wurden die Stiftsgebäude renoviert. 2013 feierte das Chorherrenstift Vorau das 850-jährige Bestehen des Ordenshauses.

    2. Die Stiftskirche

    Die Vorauer Stiftskirche ist eine der glanzvollsten Barockkirchen der Steiermark. Sie bezaubert durch ihre prachtvolle Freskenfülle, die aufwendige Vergoldung aller Holzskulpturen und die üppige Ausstattung des Hochaltars. Die ursprüngliche Kirche des Stiftes war ein romanischer Bau, der unter seinem ersten Propst Luidpold nach Seckauer Vorbild errichtet wurde und dem Brand von 1237 zum Opfer fiel. Die heutige Barockkirche wurde in den Jahren 1660–1662 unter Propst Matthias Singer nach den Plänen des in der Steiermark und in Niederösterreich wirkenden frühbarocken Baumeisters Domenico Sciassia von Grund auf neu erbaut. Das Einzige, was von dem abgebrochenen gotischen Vorgängerbau übernommen wurde, sind die zwei Türme. Ab dem Jahr 1700 wurde die Stiftskirche durch den kaiserlichen Ingenieur Matthias Steinl im Stile des Wiener Hochbarock umgestaltet. Seit 1783 dient sie als Pfarrkirche der Pfarre Vorau.

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    Die zwei mittelalterlichen Kirchtürme wurden vom Vorgängerbau übernommen. (Quelle: 123rf.com)

    Die besonderen Glanzstücke des barocken Gesamtkunstwerks sind neben den opulenten Fresken, den prunkvollen Altären, den mächtigen Heiligenstatuen und lieblichen Engeln (850 Stück) vor allem die 1706 fertiggestellte, viel bewunderte Kanzel mit Abbildungen der Lehrtätigkeit Jesu Christi, und der imposante Hochaltar, der zwischen 1701 und 1704 ausgeführt wurde und die Himmelfahrt Mariens darstellt.

    3. Die Sakristei

    Die in den Jahren 1715–1716 vom Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhofer gestaltete Sakristei gilt als künstlerisches Prunkstück des Stiftes. Das Deckenbild zeigt auf seiner östlichen Seite den stark beleuchteten, auf einem Regenbogen thronenden Christus (Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht), wird aber zur anderen Seite hin immer dunkler (die sündhafte Welt) und führt schließlich zum Wandbild „Höllensturz“. Der Höllensturz ist das wohl bekannteste Werk Hackhofers und zeigt umgeben von Flammen und teuflischen Ungeheuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Hochmut, Trunksucht, Verleumdung usw. An den anderen drei Seitenwänden sind Szenen aus dem Leiden Christi auf Erden dargestellt.

    4. Die Bibliothek

    Die Bibliothek des Stiftes Vorau ist heute eher ein Museum. Sie ist ein ganz besonders wertvoller Kulturschatz mit insgesamt über 40.000 Bänden, von denen sich etwa 17.500 Exemplare im prunkvollen, 1731 fertiggestellten barocken Bibliothekssaal befinden.

    Von der intellektuellen Bedeutung, die das Stift Vorau bereits zur Zeit des Mittelalters besaß, zeugen 415 erhaltene Handschriften, die bis ins 9. Jh. zurückreichen. Aus der Inkunabelzeit (1454-1500) sind 206 Bände erhalten, und weitere 40.000 Drucke aus der Zeit nach 1500. Unter den Handschriften befinden sich 83 künstlerisch ausgestattete und illuminierte Kodizes, von denen einige besonders hervorzuheben sind, wie beispielsweise das im letzten Viertel des 12. Jh. geschriebene Vorauer Evangeliar mit seinen eindrucksvollen, ganzseitigen Evangelistendarstellungen, oder das aus der Zeit um 1360 stammende Riesenantiphonar (liturgisches Buch für das Stundengebet der Kirche) in vier Bänden, von denen jeder 22 kg schwer ist.

    UNESCO Kulturerbe: Die Vorauer Volksbibel

    Die mit Abstand am reichhaltigsten illustrierte Handschrift ist die im Jahre 1467 geschriebene Vorauer Volksbibel mit ihren 559 kolorierten Miniaturen. Diese zur Gattung der Historienbibeln gehörende Handschrift entstand bereits zur Zeit des Buchdrucks und wurde von nur einem Schreiber in baierisch-österreichischer Mundart und in österreichischer Bastarda geschrieben. 2018 wurde sie zusammen mit anderen Kulturschätzen Österreichs in das „Österreichische Nationale Memory of the World Register“ der Unesco aufgenommen. Im Zuge einer Führung in der Bibliothek kann ein Faksimile der Vorauer Volksbibel besichtigt werden.

    Die Vorauer Handschrift mit der weltberühmten Kaiserchronik

    Die bedeutendste Handschrift ist jedoch die sog. Vorauer Handschrift, die umfangreichste und wichtigste der alten Sammelhandschriften. Sie enthält neben geistlichen frühmittelhochdeutschen Dichtungen, von denen viele nirgends sonst überliefert sind, auch die weltberühmte Kaiserchronik – eine um die Mitte des 12. Jh. in deutscher Sprache verfasste Reimchronik von Julius Caesar bis zum zweiten Kreuzzug.

    Die Bibliothek als Architekturschatz

    Auch architektonisch hat die Bibliothek viel zu bieten. Ihr Schmuckstück ist der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal, der zu den attraktivsten und schönsten Sehenswürdigkeiten seiner Art in ganz Österreich gehört. An seiner Decke befindet sich ein Freskenzyklus von Ignaz G. Kröll aus dem Jahr 1731, der in biblischen Szenen die drei großen Wissenszweige darstellt, die in der stiftischen Büchersammlung am stärksten vertreten sind: Philosophie, Theologie und Rechtswissenschaften.

    Den großen Saal schmücken auch eine barocke Standuhr (um 1700) und ein Himmels- und der Erdglobus des venezianischen Kartografen, Kosmografen und Globenherstellers Vincenco Coronelli aus dem Jahr 1688. Eine echte Rarität sind zwei parabolisch gehöhlte Schallmuscheln, die leises Flüstern auf der gegenüberliegenden Seite hörbar machen.

    2019 wurde die Bibliothek restauriert: Fresken, Stuck, Verzierungen und Schränke wurden gereinigt und gesichert, die mehr als 17.000 Bände im barocken Bibliothekssaal entstaubt, sowie Licht, Alarmanlage und Brandschutz installiert. Dabei wurde mit größter Sorgfalt vorgegangen und darauf geachtet, dass die Originalität aus der Entstehungszeit erhalten blieb. Die gelungene Restaurierung ließ die Bibliothek wieder in ihrer vollen Pracht erscheinen, weshalb ein Besuch seitdem ein noch eindrucksvolleres Erlebnis ist!

    5. Bildungshaus Vorau

    Seit 1977 betreibt das Stift ein Bildungshaus mit verschiedenen Angeboten für Ihren Aufenthalt im Stift Vorau. Im Bildungshaus werden religiöse Veranstaltungen angeboten wie z. B. die Teilnahme an der Laudes (Morgengebet) und der hl. Messe, die Möglichkeit zur Meditation oder die Möglichkeit der geistlichen Begleitung durch einen Chorherren. Sie können auch die regionalen Gesundheitsangebote der gesunden Region Vorau nutzen.

    Das Kloster ist auch eine einzigartige Location für besondere Anlässe wie Traumhochzeit oder Firmen- und Jubiläumsfeiern. Heiraten im Barocksaal? Geburtstagsfeier im Fürstenzimmer? Im Stift Vorau wird Ihr Event zu einem unvergesslichen Erlebnis! Außerdem werden die Räumlichkeiten als Seminarräume mit Platz für bis zu 200 Personen vermietet.

    6. Tore zur Unterwelt

    Die meisten der 14 Türme des Stiftes Vorau sind Wehrtürme der Klosterburg. Im nordöstlichen Wehrturm (Waldlturm) befindet sich das Museum Sub Terra Vorau, in dem archäologische Funde aus der Region Joglland–Waldheimat ausgestellt werden. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den unterirdischen Anlagen und Überresten megalithischer Kulturen des Gebietes – die nähere Umgebung Voraus kann mit über 550 dokumentierten prähistorischen Steinsetzungen (Menhire und Lochsteine) sowie unterirdischen Anlagen (Felsgänge, Erdställe und unterirdische künstlich geschaffene Steinanlagen) aufwarten.

    7. Ausflugsziele in der Umgebung

    Neben den Führungen durch das Stift und den Angeboten des Bildungshauses können Sie auch die Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung genießen. Rund um das Stift verläuft der etwa 1 km lange Vorauer Chorherrenweg, der mit seinen zwölf Stationen einen Blick hinter die Mauern des Augustiner-Chorherrenstiftes, die Geschichte, das Leben und den Auftrag seiner Bewohner ermöglicht. In der Nähe des Klosters gibt es viele Wanderwege (Augustinusweg, Markusweg usw.), etwa 5 Minuten Gehzeit vom Stift entfernt befindet sich das Freilichtmuseum Vorau und auch die um 1200 erbaute Festenburg ist ein beliebtes Ausflugsziel in der näheren Umgebung. Wer es lebhafter mag, kommt in der Urkraft Arena (Freizeit- und Sportzentrum) auf seine Kosten.

    * Titelfoto: Chorherrenstift Vorau, Quelle: 123rf.com

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    Autor: Daibau Magazin

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