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    Lendhafen_studio WG3

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    Der Lendhafen ist ein multifunktionaler und flexibler Veranstaltungsraum im Stadtzentrum von Graz, der vom Architekturbüro studio WG3 in Zusammenarbeit mit dem Grafikstudio BUERO41A seine unverkennbare, markante Corporate Identity bekommen hat. Er dient der regionalen Wirtschaft künftig als Treffpunkt, Bühne und Werkstatt zur Vernetzung und Präsentation und spiegelt damit auch aktuelle Tendenzen in der Arbeitswelt wider.

    Text: Petra Kickenweitz
    Titelfoto: Karin Lernbeiß | LUPI SPUMA

    Das Team von studio WG3, deren Gründer nicht nur Architekten, sondern auch ausgebildete Tischler und Designer sind, hat bereits 2015 die Büroräumlichkeiten der Abteilung für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung der Stadt Graz in den Obergeschossen des Hauses am Mariahilferplatz gestaltet. Das Farbkonzept in Schwarz, Weiß und auffälligem Dottergelb wurde im 2020 fertiggestellten Lendhafen im Erdgeschoss des Gebäudes fortgeführt. In den rund 250 m² großen Räumlichkeiten befanden sich 2003, als Graz Kulturhauptstadt Europas war, Infopoint und Bar. Die letzten Jahre war dort ein Restaurant untergebracht. Das kleine angrenzende Ecklokal, in dem sich zuvor ein Friseurbedarfshändler befand, wurde vor kurzem vom studio WG3 als eine vom Lendhafen unabhängig funktionierende Kaffee-Bar namens „Die Speis am Lendhafen“ ebenfalls neu gestaltet.

    Das „größte Whiteboard der Stadt“ ist gedacht als Treffpunkt für öffentliche Events zum Schwerpunkt „New Work & New Leadership“, als B2B-Event-Werkstatt zur Vernetzung und als Bühne für Produktpräsentationen. (Foto: Karin Lernbeiß | LUPI SPUMA)
    Das „größte Whiteboard der Stadt“ ist gedacht als Treffpunkt für öffentliche Events zum Schwerpunkt „New Work & New Leadership“, als B2B-Event-Werkstatt zur Vernetzung und als Bühne für Produktpräsentationen. (Foto: Karin Lernbeiß | LUPI SPUMA)

     

    Die Benennung „Lendhafen“ leitet sich von der Standortadresse am Lendkai ab – sprachhistorisch ein Ort, an dem Flöße anlegen bzw. anlenden oder anlanden. Damit soll dieser Ort in unmittelbarer Nähe zur Mur, an einem großen Platz gelegen und in unmittelbar Nähe zum Kunsthaus, laut studio WG3 einerseits den Hafen, „an dem Informationen ankommen oder entstehen und wieder weiter verschickt werden“, und anderseits einen Platz „des Austausches, an dem die Kreativität vor Anker gehen kann“, symbolisieren. Dementsprechend wollte die Stadt Graz bei der Konzeptionierung des Veranstaltungsraums einen anderen, neuen Weg gehen und veranstaltete im Vorfeld zur Abstimmung des Raum- und Funktionsprogramms einen Workshop mit den Architekten und sieben potenziellen NutzerInnen sowie ExpertInnen aus unterschiedlicher Branchen. Die dabei erarbeiteten Vorgaben und Anforderungen wurden in einem intensiven Planungsprozess umgesetzt. Der entstandene flexibel bespielbare Raum ist für offene und geschlossene Formate mit unterschiedlichen Raumsettings, die innerhalb von 30 Minuten ohne großen technischen Aufwand von den NutzerInnen selbst vorbereitet bzw. aufgebaut werden können, geeignet. Neben der klassischen Bestuhlung für Vorträge und Schulungen oder der aufgelockerten Möblierung für Workshops und Seminare lassen sich auch kleinere Ausstellungen gestalten und temporäre Showrooms oder ein Pressezentrum einrichten.

    Die Stadt Graz will mit dem Raum ein zeitgemäßes Arbeitsumfeld zur Verfügung stellen, das sich als Schnittstelle für Startups, Kleinunternehmen, aber auch namhafte Unternehmen und Institutionen als eine Art Kompetenzzentrum etabliert. (Foto: Karin Lernbeiß | LUPI SPUMA)
    Die Stadt Graz will mit dem Raum ein zeitgemäßes Arbeitsumfeld zur Verfügung stellen, das sich als Schnittstelle für Startups, Kleinunternehmen, aber auch namhafte Unternehmen und Institutionen als eine Art Kompetenzzentrum etabliert. (Foto: Karin Lernbeiß | LUPI SPUMA)

     

    Die Lendhafen-Räumlichkeiten, bestehend aus Veranstaltungsraum, diversen Lagerräumen, Anlieferung und Teeküche, sind kreuzförmig im Erdgeschoss eines am Platz freistehenden Bestandsgebäudes aus dem 17. Jh. untergebracht. Der Hauptzugang liegt mittig und erschließt den eigentlichen Interaktions- und Innovationsraum über die großzügig verglaste Ostseite im Erdgeschoss des Gebäudes. Die Fassade lässt sich in diesem Bereich mehrfach öffnen und ermöglicht somit auch die Nutzung des Außenraums. Der vordere Raumteil ist im neutralen Weiß, Beige und Grau gehalten und bildet das Herzstück des flexibel und multifunktional bespielbaren Raumes. Die innenliegende Mittelzone ist als Marktplatz von der Bodenbeschichtung über die Wandfarbe bis zur Akustikdecke in warmem Dottergelb gehalten und markiert die Nord-Süd-Achse als öffentliche Verkehrszone. Im Süden werden über das Stiegenhaus die Obergeschosse und im Norden die auch von außen zugänglichen öffentlichen Toilettenanlagen erschlossen. Im Westen befinden sich die Teeküche und die Nebenräume, die über einen eigenen Zugang für die Anlieferung von Catering verfügen. In den restlichen Gebäudeecken befinden sich ein Blumengeschäft, ein Friseur und „Die Speis am Lendhafen“.

    Die Grundrisse zeigen unterschiedliche Settings, die aufgrund der Flexibilität des Raumes möglich sind. (Plan: studio WG3)

    Die Grundrisse zeigen unterschiedliche Settings, die aufgrund der Flexibilität des Raumes möglich sind. (Plan: studio WG3)

    Die Grundrisse zeigen unterschiedliche Settings, die aufgrund der Flexibilität des Raumes möglich sind. (Plan: studio WG3)

    Die Grundrisse zeigen unterschiedliche Settings, die aufgrund der Flexibilität des Raumes möglich sind. (Plan: studio WG3)
    Die Grundrisse zeigen unterschiedliche Settings, die aufgrund der Flexibilität des Raumes möglich sind. (Plan: studio WG3)

     

    Das gelbe Zentrum, der Marktplatz, dient mit seinem langen Tresen primär dem gemütlichen Teil von Veranstaltungen – als Getränkeausgabe und als Buffet beim Get-together. Der ockerfarbene Tresen ist zweiteilig und beide Teile lassen sich bei Bedarf verdrehen, wodurch ein zusätzlicher Raum für kleinere Besprechungen und Workshops entsteht.

    Der Lendhafen, der im Juli 2020 eröffnet wurde, läuft derzeit im Probebetrieb, auch coronabedingt, und wird Unternehmen voraussichtlich bis Ende 2021 gratis zur Verfügung gestellt. (Foto: Karin Lernbeiß | LUPI SPUMA)
    Der Lendhafen, der im Juli 2020 eröffnet wurde, läuft derzeit im Probebetrieb, auch coronabedingt, und wird Unternehmen voraussichtlich bis Ende 2021 gratis zur Verfügung gestellt. Für die  ausgeführten Bodenbeschichtungsarbeiten war das Unternehmen Erfurth Spezialbau GmbH zuständig.  (Foto: Karin Lernbeiß | LUPI SPUMA)

     

    An der Nordwand sind im ockerfarbigen Wandverbau versperrbare quadratische Spinde mit Piktogrammen integriert, die dem Motto entsprechend die auf zwei Farben reduzierten nautischen Flaggen zeigen. Das gesamte Leit- bzw. Orientierungssystem, das sich auch im Bereich der versteckten Wandschränke und im Stiegenhaus findet, wurde von BUERO41A konzipiert.

    Die Vorhänge sind zusätzlich raumakustisch wirksam und sorgen dafür, dass mehrere Gruppen nebeneinander ungestört arbeiten können. (Foto: studio WG3)
    Die Vorhänge sind zusätzlich raumakustisch wirksam und sorgen dafür, dass mehrere Gruppen nebeneinander ungestört arbeiten können. (Foto: studio WG3)

     

    Alle Innenraumwände im Bereich des Innovations- bzw. Veranstaltungsraums wurden mit Whiteboards verkleidet und können damit für die unterschiedlichen Workshops als Arbeitsfläche herangezogen werden. Dahinter verbergen sich im Bereich der Drehtüren an der Fassade Schiebewände, die ebenfalls als Whiteboards genutzt werden können und den Raum zusätzlich abdunkeln. In fünf Bereichen befinden sich Wandschränke, die neben der Medientechnik, den EDV-, Display- und Strom-Anschlüssen auch an zwei Positionen die akustisch wirksamen Vorhänge verbergen. Die jeweils dreiteiligen Vorhänge, die über zwei kreisförmige Deckenschienen mit einem Durchmesser von 5,8 m in den Raum gezogen werden, unterteilen und organisieren den Raum für intimere Settings neu. Die Loops an der Decke dienen gleichzeitig als Stromschienen für die frei positionierbaren und schwenkbaren energieeffizienten LED-Strahler, um punktgenaue Lichtakzente für Objektpräsentationen zu setzen. Die Grundbeleuchtung erfolgt über regelmäßig gesetzte Anbau- bzw. Deckenleuchten, die auf die Akustikdeckenpaneele montiert sind. Zusätzlich wird die Decke in diesem Bereich durch Maschengitterpaneele strukturiert und die an sich helle Ausleuchtung abgemildert.

    Die „Matrosen“, flexible schiebbare Modulkästen mit Magnet- und Pinnwand, sind eines der zentralen Ergebnisse des Workshops, der vorab mit potenziellen NutzerInnen und ExpertInnen veranstaltet wurde. (Grafik: studio WG3)

    Die „Matrosen“, flexible schiebbare Modulkästen mit Magnet- und Pinnwand, sind eines der zentralen Ergebnisse des Workshops, der vorab mit potenziellen NutzerInnen und ExpertInnen veranstaltet wurde. (Grafik: studio WG3)
    Die „Matrosen“, flexible schiebbare Modulkästen mit Magnet- und Pinnwand, sind eines der zentralen Ergebnisse des Workshops, der vorab mit potenziellen NutzerInnen und ExpertInnen veranstaltet wurde. (Grafik: studio WG3)

     

    Ein wesentliches Gestaltungselement neben den raumbildenden Vorhängen sind die von studio WG3 extra für den Lendhafen entwickelten sogenannten Matrosen: sechs 1,6 m breite klapp- und verschiebbare Kästen, die als Raumteiler und Garderoben unterschiedlich eingesetzt werden können und deren Wände aus herausnehmbaren Whiteboards bzw. Pinnwänden bestehen. Auch der von studio WG3 designte rollbare Stehtisch Pult_C3 aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit Hochglanzoberfläche in Weiß kommt im Lendhafen zum Einsatz.
    Die gesamte Möblierung, bestehend aus einer Bestuhlung für max. 90 Personen, Textil- und Barhocker, Besprechungs- und Stehtischen sowie zusätzlichen Garderobenständern, ist stapelbar bzw. transportabel und auch für den Außenraum tauglich.

    Die Modulkästen „Matrosen“ sind als mobile Raumteiler vielseitig einsetzbar und strukturieren wie der zweiteilige Tresen den Raum. Beide sind durch ihre Farbgebung eindeutig den Raumzonen zugeordnet. (Foto: Karin Lernbeiß | LUPI SPUMA)
    Die Modulkästen „Matrosen“ sind als mobile Raumteiler vielseitig einsetzbar und strukturieren wie der zweiteilige Tresen den Raum. Beide sind durch ihre Farbgebung eindeutig den Raumzonen zugeordnet. (Foto: Karin Lernbeiß | LUPI SPUMA)

     

    Technische Ausstattung:

    Die umfassende medientechnische Ausstattung des Lendhafens mit mobilen 86-Zoll-Bildschirmen, zwei digitalen 65-Zoll-Flipcharts und einer Audioanlage lässt sich über einen HDMI-Anschluss ansteuern. Die Geräte können überall im Raum und für die unterschiedlichsten Settings genutzt werden, sind entsprechend Plug & Play voreingestellt, brauchen nur angesteckt zu werden und funktionieren ohne Installation. Zusätzliche Audioquellen lassen sich über Bluetooth oder Miniklinken-Anschluss einspeisen, WLAN sowie Breitband-Internet stehen zur Verfügung.

    Projekt:

    Name des Projekts:
    Lendhafen

    Innenarchitektur:
    studio WG3 (Albert Erjavec, Matthias Gumhalter, Christan Reschreiter, Jan Ries)

    Bauherr:
    Stadt Graz, Abteilung für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung

    Ort:
    Lendkai 17, 8020 Graz

    Ausführungsjahr:
    2020

    Nutzfläche:
    250m²

    Fachplaner:

    Design Möbel Stehtische Pult_C3:
    studio WG3, 8020 Graz

    Design Raumteiler Module Matrose:
    studio WG3, 8020 Graz

    Grafik:
    BUERO41A Grafik & Raum, Christina Zettl, 8321 St. Margarethen / Raab

    Auftragnehmer:

    Bodenleger Beschichtung: 
    Erfurth Spezialbau GmbH, 8055 Graz

    Baumaterialien:

    Möbel Stehtische Pult_C3:
    Ries Pro Design, 4060 Leonding

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    Stehtisch "Pult_C3"

    Ries Pro Design

    Für die Produktion und den Vertrieb des  Stehtisches "Pult_C3" ist Ries Pro Design verantwortlich.

    Galerie – Baustelle

    Die mittlere Achse des Gebäudes ist als Marktplatz und Verkehrszone ganz in Gelb gehalten. (Foto: studio WG3)
    Die mittlere Achse des Gebäudes ist als Marktplatz und Verkehrszone ganz in Gelb gehalten. (Foto: studio WG3)
    Die Piktogramme der nautischen Flaggen auf den Spinden wurden von Grafikstudio BUERO41A entwickelt. (Foto: studio WG3)
    Die Piktogramme der nautischen Flaggen auf den Spinden wurden von Grafikstudio BUERO41A entwickelt. (Foto: studio WG3)
    Die exakte Linie und der starke Farbkontrast zonieren den Raum in seiner Funktion. (Foto: Karin Lernbeiß | LUPI SPUMA)
    Die exakte Linie und der starke Farbkontrast zonieren den Raum in seiner Funktion. (Foto: Karin Lernbeiß | LUPI SPUMA)

     

     

    479
    Autor: DaiBau Magazin

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