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    Haus ALF von Architekt Christian Farcher / archipur

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    Das Tinyhouse ALF in Baden bei Wien ist ein schlichtes kleines Raumwunder. Unter schwierigen, beengten Grundstücksbedingungen und der Schutzzonenverordnung entsprechenden Bauauflagen gelang es dem Architekten Christian Farcher von archipur ein kleines eigenwilliges Einfamilienhaus umzusetzen. Wie eine Persiflage auf das ländliche Satteldachhaus steht es mit seiner einfachen Bauweise und reduzierten, aber markanten Formgebung in einer städtischen Umgebung. Das kleine Domizil zeigt, dass Nachverdichtung im urbanen Kontext auf kleinen Grundstücken durchaus sinnvoll sein kann und darauf leistbarer funktionaler Wohnraum entstehen kann. Allerdings brauchte es aufgrund der baurechtlichen Vorgaben reichlich Ausdauer und Zeit seitens des Architekten und des Bauherrn.

    Text: Petra Kickenweitz
    Titelfoto: Christian Farcher, archipur

    Ob sich die Formgebung des Hauses auf die US-Sitcom „Alf“ und das 1926 erbaute und mittlerweile abgebrochene Haus der Familie Tanner in Los Angeles bezieht, das sich auch mit einem weißverputzten Giebel und einem mittelgroßen Fenster markant zur Straße hin zeigte, bleibt wohl das wohlgehütete Geheimnis zwischen dem Bauherrn und Architekt Christian Farcher. Zumindest steht fest, dass Alf, das Plüschtier des Bauherrn, bequem im Schaufenster des Hauses sitzt und sich laut Architekt ein kleines, feines Haus gebaut hat, bei dem der Vergleich mit dem japanischen Minimalismus und der japanischen Typologie der kleinen Häuser auf jeden Fall zulässig und naheliegend ist.

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    Die Giebelseite öffnet sich zur Straße hin großzügig, weckt Interesse, ohne dabei zu einsichtig für PassantInnen zu sein. Der Erker im Obergeschoss bildet gleichzeitig das Vordach über den Haupteingang. Die Spengler- und Dachdeckerarbeiten wurden am Haus von der Firma Steidler GmbH ausgeführt. (Foto: Christian Farcher, archipur)

    Das sich auf zwei Ebenen erstreckende Wohnhaus für ein Paar mit nur rund 72 m² Nutzfläche wurde auf einem rund 184 m² großen Grundstück in einem als Schutzzone ausgewiesenen zentral gelegenen nobleren Stadtteil von Baden bei Wien errichtet. Auf dem nur sieben Meter breitem Grundstück stand ursprünglich ein eingeschossiges Stallgebäude, das später als Bediensteten-Wohnhaus genutzt wurde. Dieses konnte, nachdem es seitens des Sachverständigen für Denkmalpflege als nicht erhaltenswürdig eingestuft wurde, abgebrochen werden. Allerdings sah die ursprüngliche Widmung eine offene Bauweise vor. Diese Bestimmung ließ aufgrund der Mindestabstände zur Grundgrenze von drei Metern keinen Neubau zu, sodass in Abstimmung mit der Stadtgemeinde eine Umwidmung des Grundstückes erfolgte. Die neu genehmigte einseitig offene Bauweise mit Bauklasse I ermöglichte eine Bebauung an der Grundstücksgrenze mit einer Brandwand: einen 4 m breiten und rund 13 m langen zweigeschossigen Baukörper mit einer maximalen Höhenbeschränkung auf 4,5 m. Die zur Straße ausgerichtete schmale Ostfassade mit Giebel musste den architektonischen Qualitätsansprüchen der Schutzzonenverordnung entsprechen. Dazu wurde eigens eine Fassadenstudie mit acht Varianten erarbeitet und der Behörde zur Begutachtung vorgelegt.

    Die Errichtung des langgestreckten Neubaus mit Satteldach brauchte aufgrund dieser zusätzlichen restriktiven baurechtlichen Angaben von Beginn der Planung bis zur Fertigstellung fast vier Jahre und erforderte vom Architekten und vor allem vom Bauherrn den Mut zu ungewöhnlichen Ansätzen.

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    Der längliche Neubau mit Satteldach liegt am Grundstück von der Straße weit zurückversetzt. Entsprechend einer effizienten, kostenoptimierten Planung wurde auf ein Kellergeschoss verzichtet und der Sanitärraum und die Küche im Erdgeschoss in unmittelbarer Nähe zueinander geplant. (Pläne: Christian Farcher, archipur)

     

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    Der eigentliche Wohnbereich ist die Galerie im Obergeschoss, die über einen Luftraum mit dem Erdgeschoss verbunden ist. (Pläne: Christian Farcher, archipur)

    Die giebelseitige überdachte Haupterschließung, die ohne Windfang oder Flur direkt in den Wohn- und Küchenbereich führt, sowie die Anordnung des Wohnbereichs an der Ostseite zur Straße hin ist ebenso wie die längsseitige Aneinanderreihung der Räume auffallend und sicherlich auch in der Nutzung anfangs gewöhnungsbedürftig. In der Mitte des Gebäudes liegt eine halbgewendelte U-förmige Holztreppe, welche den offenen Wohnraum von dem im hinteren westlichen Teil des Gebäudes liegenden Zimmer mit Sanitärraum optisch abtrennt. Über die Treppe gelangt man in den erweiterten Wohnbereich der Galerie im Obergeschoss. Diese verbindet im vorderen Gebäudebereich, beim Haupteingang, über einen Luftraum die beiden Geschosse miteinander und verleiht dem Tinyhouse ALF eine unerwartete großzügige Raumwirkung. Ein auf Deckenebene gespanntes begehbares Netz ermöglicht den Zugang zum Fenstererker im Ostgiebel des Obergeschosses und die Nutzung des Luftraumes als Liegefläche. Auch im Obergeschoss befindet sich im westlichen Gebäudeteil ein, durch einige Stufen höhergelegener, abgetrennter Dachraum.

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    Der Erker an der Ostseite bietet noch genug nutzbare Bodenfläche, um auf einen Sessel sitzend, wie Alf, die Aussicht zu genießen. (Foto: Christian Farcher, archipur)

    Unterstützt wird diese optimierte Raumausnutzung durch das Spiel mit den Raumhöhen. Dafür wurde im Erdgeschoss über der Küche und dem Essbereich die Decke bewusst niedriger gewählt, damit im Galeriebereich die Raumhöhe, die sich bis zum Dachfirst öffnet, umso großzügiger erscheint. Dementsprechend wurde hier ein Materialwechsel vorgenommen und die Zwischendecke der Galerie platzsparend aus 10 cm Brettsperrholz ausgeführt. Auch im Bereich der übereinanderliegenden Zimmer im westlichen Gebäudeteil wurde auf einen unnötig hohen Deckenaufbau verzichtet und die Leitungen ausschließlich in den Zwischenwänden verzogen.

    Damit hat der Architekt Christian Farcher, der mit dem Entwurf, der Einreichung, der dazugehörigen Erstellung des  Energieausweises sowie mit der Ausführungs- und Detailplanung und anschließender Bauaufsicht beauftragt war, optimale Bedingungen auf kleinstem Raum geschaffen.

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    Der Blick zum Himmel ist vom Eingangsbereich über das Netz in der Zwischendecke und den Erker möglich und lässt den Raum größer erscheinen. (Foto: Christian Farcher, archipur)

    Durch den Luftraum und die großzügige giebelseitige Verglasung im erdgeschossigen Eingangsbereich und dem im Obergeschoss darüberliegenden Erker wird ein gleichmäßiges Licht in die Raumtiefe gebracht. Zusätzlich wird die Innenraumqualität durch zwei nach Süden gerichtete Dachflächenfenster und einer Verglasung im Treppenbereich erhöht.

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    Der Kühle der eingesetzten Farben steht das bewusst eingesetzte Material Holz bei der Firstpfette und der Treppe gegenüber. Für die Zimmererarbeiten war die Holzbau + Zimmerei Lechner zuständig. (Foto: Christian Farcher, archipur)

    Die Materialität und Farbigkeit des kleinen Hauses ist geprägt von einem durchaus pragmatischen Entwurfsansatz, bei der es zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Architekten und Bauherrn kam. Vor allem bei der Detailgestaltung und Materialwahl hat sich der Bauherr aktiv eingebracht. Vorherrschend ist die Farbe weiß und anthrazitgrau. Der die Gebäudehülle bestimmende weiße Putz und die weißen Fensterrahmen stehen im Kontrast zum extra breit ausgeführten anthrazitfarbigen Saumblech und grauen Dachdeckung. Im Innenraum wird das Farbkonzept der weißen Wände und des dunkelgrauen Linoleumbodens durch das Holz beim Treppenaufgang aufgebrochen.

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    Die halbgewendelte U-förmige Treppe ist besonders platzsparend und als Verbindungselement der Wohnebenen in der Mitte des Gebäudes angeordnet.  (Foto: Christian Farcher, archipur)

    Technische Informationen:

    Konstruktion

    Das kleine Haus wurde in Ziegelmassivbauweise im Wärmedämmverbundsystem mit Steinwolle errichtet und weiß verputzt. Der Pfettendachstuhl wurde mit eingeblasenen Zelluloseflocken gedämmt und mit grauen Tondachziegeln gedeckt. Bei den weißen Kunststofffenstern wurde eine 3-fach-Verglasung verwendet und die nach Westen ausgerichteten Zimmerfenster zusätzlich mit Außenrollläden ausgestattet.

    Der Erker und die Zwischendecke im vorderen Galeriebereich wurden in Brettsperrholz ausgeführt, die Geschoßdecke im hinteren Bereich des Hauses hingegen als Stahlbetondecke in Ortbeton. Analog dazu wurden die gewendelte Geschoßtreppe aus Holz und die kurze einläufige Treppe im Obergeschoß aus Ortbeton gefertigt.

    Haustechnik

    Beheizt wird das Gebäude über eine freistehende Luftwärmepumpe im Garten. Der dazugehörende Pufferspeicher wurde platzsparend unter der Treppe versteckt.

    Projekt:

    Name des Projektes:
    Haus Alf

    Architektur:
    Architekt DI Christian Farcher, archipur, 2500 Baden

    Ort:
    Baden-NÖ

    Planungsjahr:
    2017/2018

    Ausführungsjahr:
    2019/2020

    Nutzfläche:
    72,36 m2

    Bruttogesschoßfläche:
    103,27 m2

    Grundstücksgröße:
    184,48 m2

    Gebäudewert (Energieausweis):
    48 kwh/m2a   

    Fachplaner:

    Bauphysik:                                                                              archipur, 1070 Wien

    Ausschreibung:                                                                    archipur, 1070 Wien

    Örtliche Bauaufsicht:
    archipur, 1070 Wien

     

    Auftragnehmer:

    Zimmermann:
    Holzbau + Zimmerei Lechner, 2832 Scheiblingkirchen

    Bauarbeiten, Fassadenbauarbeiten, Sicherheitsplaner: 
    Sperhansl Bau GesmbH, 2832 Thernberg
    Für die ausgezeichnet ausgeführten Fassaden- und Bauarbeiten war die Firma Sperhansl GmbH zuständig. Sie waren auch für die Sicherheitsplanung des Hauses Alf verantwortlich.

    Dachdecker & Spenglerei:
    Steidler GmbH, 2823 Pitten

    Fenster und Türen:
    REKORD Baden GesmbH, 2500 Baden bei Wien

    Baumaterialien:

    Dämmung:
    Dach Zellulosendämmung THERMOFLOC B Vinzenz Harrer GmbH

    Sonnenschutz:
    REKORD Rollläden (Schlotterer VORO Bravo)

    Fenster:
    REKORD Kunststofffenster 3 fach verglast

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    Zellulosendämmung

    Vinzenz Harrer GmbH

    Für die Zellulosendämmung des Daches lieferte Vinzenz Harrer GmbH die dazu verwendeten produkte von THERMOFLOC.

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    Kunststofffenster

    REKORD Baden GmbH

    Für das Haus Alf würden die Kunststofffenster PRO von Rekord Fenster verwendet.

    Galerie

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    Der Erhalt bzw. der Umbau des alten Nebengebäudes war bautechnisch-wirtschaftlich nicht sinnvoll. (Foto: Christian Farcher, archipur)

     

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    Durch den Höhensprung in der Zwischendecke konnte die halbgewendelte Treppe in ihrer Lauflänge verkürzt werden. (Pläne: Christian Farcher, archipur)

     

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    Die nicht unterkellerte sehr schmale Drei-Zimmer-Wohnung teilt sich auf zwei Geschosse auf und öffnet sich nur an drei Seiten Richtung Außenraum. (Pläne: Christian Farcher, archipur)

     

    901
    Autor: DaiBau Magazin

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