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    Haus C.H.I.K_MF arhitektura

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    In Slowenien ist das Angebot an barrierefreien eingeschossigen Einfamilienhäusern bisher sehr gering. Der Architekt Miha Fujis beschloss, mithilfe seines Bruders, einem Marketingexperten, sich der Sache anzunehmen. In der Endphase der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise, durch welche auch der Immobilienmarkt stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, machten sie sich in Eigeninitiative und mit eigener Investition an die Planung und Umsetzung von Haus C.H.I.K. – mit dem Wunsch, durch modernes Design, hochwertige Ausführung und einen erschwinglichen Preis den künftigen KäuferInnen eine hohe Wohnqualität zu ermöglichen. Ein gewagter Schritt für den jungen Architekten, der eben erst sein Studium beendet hatte, ausgezeichnet mit dem Plečnik-Preis für Studierende sowie dem Prešeren-Preis für Studierende.

    Text: Špela Rogel (Übersetzung)
    Titelfoto: Matej Lozar

    Nach gründlicher Überlegung wählten die beiden einen ruhigen, nur wenige Minuten vom Zentrum von Maribor entfernt gelegenen Standort zwischen Weingärten im Norden und einer dichten Bebauung mit Einfamilienhäusern im Süden. Das breite unbebaute Gebiet erwies sich auch deshalb als gut geeignet, da durch die bestehende Wohnbebaung in der näheren Umgebung bereits die unterschiedlichsten Dienstleistungen verfügbar waren. Die überwiegend flache Konfiguration des Geländes führte zu der Entscheidung, ein einstöckiges Haus zu entwerfen, das architektonisch barrierefrei und auch für ältere Menschen bzw. für Personen mit eingeschränkter Mobilität geeignet ist. Wohnangebote dieser Art waren zu jener Zeit praktisch nicht vorhanden. Das Gebäude mit gedeckter Finanzierung befand sich noch in der Planungsphase, als es bereits auf dem Immobilienmarkt angeboten wurde. Seine künftigen BewohnerInnen – ein älteres Ehepaar aus Belgien – erwarben das Gebäude noch vor Baubeginn, sofort nachdem die Baugenehmigung erteilt worden war.

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    Das Wohnhaus soll durch seine äußere Erscheinung nicht auffallen, sondern sich in seine Umgebung diskret und rücksichtsvoll einfügen. (Foto: Matej Lozar)

    Die Eheleute hatten in ganz Europa nach einem geeigneten Ort gesucht, an dem sie gemütlich ihren Ruhestand verbringen könnten – auch im sonnigen Spanien und im romantischen Frankreich. Ihre Wahl fiel letztlich auf Slowenien, wo sie umgeben von wunderschöner Natur und mit hoher Lebensqualität das Beste für ihr Geld bekamen. Während der Ausführung wurden sie aktiv und umsichtig in die Entstehung des Gebäudes eingebunden, dessen ursprünglicher Entwurf unverändert blieb, lediglich einige Materialien und Technologien wurden durch geeignete Alternativen ersetzt. Sie vertrauten auch die Innenraumgestaltung Miha Fujs und dem Architekturbüro MF arhitektura an, sodass das Aussehen des Gebäudes sowohl innen als auch außen dem ursprünglichen Architekturgedanken entspricht.

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    An der Nordseite des rechteckigen Grundstücks, entlang derer die Zufahrtsstraße verläuft, ist der Versorgungsteil des Gebäudes untergebracht. Dort befinden sich auch der Haupteingang und ein Carport. (Foto: Matej Lozar)

    Das Wohnhaus ist an der Nordseite des rechteckigen Grundstücks platziert, entlang derer die Zufahrtsstraße verläuft. Gen Süden hin, wo die Besonnung am günstigsten ist, befindet sich der Garten und dort lässt sich auch die schönste und weiteste Aussicht genießen. Diesen Gegebenheiten folgt auch der konzeptuelle Entwurf des Gebäudes, der aus zwei länglichen Volumina zusammengesetzt ist – einem Wohn- und einem Versorgungsteil. Das höhere Volumen, das den Wohnraum bildet und aus einer Aneinanderreihung der beiden Schlafzimmer, eines offenen Wohnzimmers, eines Esszimmers und einer Küche besteht, öffnet sich nach Süden hin zu einem wohl gepflegten Garten. Der niedrigere Versorgungsteil mit dem Vorraum, einem Badezimmer, einer Waschküche und einem Kabinett ist hingegen an der Nordseite platziert, wo sich auch der Haupteingang und ein Carport befinden.

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    Entwurfskonzept: das Gebäude setzt sich aus zwei länglichen Raumvolumina zusammen – einem höheren Wohnteil und einem niedrigeren Versorgungsteil. Durch die tiefe Nische, die in das kompakte Volumen an der Südseite der Länge nach eingeschnitten ist, entsteht quasi ein überdachter Rücksprung, der eine sommerliche Überhitzung des Innenraums verhindert. (Autor: MF arhitektura)
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    Der Grundriss zeichnet sich durch klare Linien, eine minimale Tragkonstruktion und offene Durchgangsbereiche aus. (Autor: MF arhitektura)

    ArchitektInnen wissen ganz genau, wie wichtig es ist, nicht nur den Grundriss, sondern auch das Volumen gut zu planen. Um den NutzerInnen eine hochwertige Wohnerfahrung zu bieten, gestaltete Miha Fujs die Wohnräume sehr großzügig mit einer Raumhöhe von vier Metern. Dadurch erzielte der Architekt zwei bemerkenswerte Effekte, ohne dass die Ausführungskosten sich wesentlich erhöhten. Der erste ist offensichtlich: die Räume wirken viel größer, luftiger und geräumiger, als sie es laut Quadratmeterzahl sind. Der zweite Effekt wird durch den Höhenunterschied zwischen dem Wohn- und dem Versorgungsteil (Standardhöhe von zweieinhalb Metern) erreicht. Dank dieses Höhenunterschieds gelangt in die Wohn- und Schlafräume nicht nur durch die große Panoramaverglasung an der Südfassade Licht, sondern auch durch einen Gürtel von Oberlichten an der Nordseite. Dies ermöglicht eine effektive und natürliche Belüftung bzw. Kühlung der Räumlichkeiten und steigert darüber hinaus den Wohnkomfort durch zusätzliche natürliche Belichtung.

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    An der Südseite ist in das kompakte Volumen der Länge nach eine tiefe Nische eingeschnitten, die die potenzielle Strenge des Gebäudes aufbricht und einen überdachten Rücksprung bildet, der eine sommerliche Überhitzung des Innenraums verhindert. (Foto: Matej Lozar)

    Die äußere Erscheinung des Wohnhauses ist durch klare Züge gekennzeichnet, sie ist modern-minimalistisch, doch keineswegs kühl und unpersönlich. Die beiden länglichen weißen Volumina mit schwarzen Dächern aus Doppelfalz-Blechbändern und schwarz umrandeten Fenstern sollen nicht in ihrer Umgebung auffallen, sondern sich diskret und rücksichtsvoll darin einfügen. Das vertikal gegliederte großvolumige Pultdach verfließt mit den Ausläufern der Weingärten und den Linien der Weinreben im Hintergrund.

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    Die Intimität des Gartens wird am Südrand des Grundstücks durch einen natürlichen immergrünen Vorhang aus niedrig wachsenden Eiben und den Baumkronen des Fächer-Ahorns gewährleistet. Die Eibe ist ein immergrünes Gewächs, aber auch der Ahorn behält den Winter über seine Blätter und wirft sie erst im Frühjahr ab. (Foto: Matej Lozar)

    An der Südseite ist in das kompakte Volumen der Länge nach eine tiefe Nische eingeschnitten, die die potenzielle Strenge des Gebäudes aufbricht und einen überdachten Rücksprung bildet, der eine sommerliche Überhitzung des Innenraums verhindert. Die mit großen Panoramafenstern ausgestattete Front ist mit Holz verkleidet, was dem Gebäude einen warmen Charakter verleiht und seinen BewohnerInnen ein Gefühl von Behaglichkeit gibt. Die elegant schlanken, vertikal angeordneten Latten aus Sibirischer Lärche setzen sich am Boden im rechten Winkel auf einer großen Terrasse fort – ein Außenraum, der in den blühenden Garten übergeht. Die Intimität des Gartens wird durch einen natürlichen immergrünen Vorhang aus niedrig wachsenden Eiben am Südrand des Grundstücks, den Baumkronen des Fächer-Ahorns sowie durch einen steinernen Gabionenzaun am Ostrand, der auch als Schallschutz gegen eventuellen Lärm dient, gewährleistet.

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    Die Wohnräume besitzen großzügig hohe Decken. Dies macht die Räumlichkeiten nicht nur luftiger und geräumiger, sondern sie wirken auch viel größer, als sie es der Quadratmeterzahl nach sind. (Foto: Matej Lozar)

    Das Haus C.H.I.K. ist eine physische Manifestation dessen, was entstehen kann, wenn der Architekt freie Hand und die volle Kontrolle über die Wahl des Standortes, den Entwurf und die Ausführung hat. Der Architekt selbst meint, dieser Architekturansatz stelle einen Vorteil dar, da er hier ungehindert seine Idee eines idealen Einfamilienhauses entwickeln konnte – ganz so, als hätte er es für sich selbst entworfen. Zugleich sei dies eine Gelegenheit gewesen zu zeigen, dass sich hohe Wohnqualität auch zu einem sehr erschwinglichen Preis anbieten lässt.

    Technische Informationen:

    Konstruktion

    Die Konstruktion des Flachdachs besteht aus einem Beton-Pultdach mit einem hölzernen Dachstuhl. Die Massivbauweise hat sich im Vergleich zu den Angeboten für Fertigbauweise bzw. andere Technologien (CLT, Isospan...) als die ökonomischste erwiesen, obwohl sie die Ausführung vielleicht um einige Monate in die Länge gezogen hat.

    Holzfassade

    Die maßgefertigte Holzfassade besteht aus Sibirischer Lärche. Die Latten wurden vor der Montage zu Paneelen zusammengefügt, an der Hinterseite verschraubt (von vorne unsichtbar) und an Alu-Abstandsprofilen aufgehängt, die in der Hauswand zwischen der Steinwolle-Dämmung verankert sind. Zwischen der Dämmung und den Paneelen befinden sich eine diffusionsoffene Folie und eine Luftschicht. Die Latten sind im Querschnitt rautenförmig, sie sind jeweils 4 cm breit und in Abständen von ca. 1 cm angeordnet. Die Rautenform der Latten verhindert Sichtkontakt zum Fassadeninneren bzw. zur Folie. Die seitlichen Abschlüsse der Holzfassade an den Fensterlaibungen bestehen aus Farbblech in der Farbe der Aluminium-Fensterrahmen.

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    Die mit großen Panoramafenstern ausgestattete zurückgesetzte Front zum Garten hin ist mit Holz verkleidet, was dem Gebäude einen warmen Charakter verleiht und seinen BewohnerInnen ein Gefühl von Behaglichkeit gibt. (Foto: Matej Lozar)

    Dach

    Das Dach wurde aus Bandblechen von ca. 50 cm Breite hergestellt, die durch ein Doppelfalzsystem miteinander verbunden sind. Die Bänder sind auf einer Trennlage aus Bitumen und einer 24 mm dicken Vollschalung verlegt. Darunter befinden sich die Lüftungsschicht und die Unterspannbahn.

    Dachrinnen und Abflüsse

    Dachrinnen und Abflüsse liegen im Dach bzw. in der Fassade versteckt. Die in einem Kasten aus OSB-Platten eingesetzte Dachrinne besteht aus Blech und Gummi. Die Abflüsse bestehen aus Kunststoff-Abflussrohren und sind mit einer Dämmung ummantelt.

    Innenausbau

    Im Innenraum wurde für die abschließende Wandbearbeitung Kalkzementputz verwendet, der verkittet und gefärbt wurde. Die Decken bestehen aus Gipskartonplatten. Die Böden oberhalb der Bodenplatte setzen sich aus EPS-Bodenplatten, Systemplatten für Fußbodenheizung und mikroarmiertem Estrich zusammen. Als Fußbodenbelag wurden Parkett und Keramik eingesetzt.

    Fenster und Türen

    Besondere Aufmerksamkeit galt der Wahl der Fenster. Durch Holzrahmen mit einer außenseitigen Aluminium-Verkleidung wurde dafür gesorgt, dass die großen Fenster sehr modern wirken. Das Holz an der Innenseite schafft ein Gefühl von Wärme, während das Aluminium an der Außenseite die Beständigkeit der Fenster garantiert. Dreifachverglasung verbessert die energetischen Eigenschaften des gesamten Fenstersystems. Unter den Anbietern von Holz-Alu-Fenstern setzte sich der Hersteller AJM durch; die Arbeiten wurden  sorgfältig und zuverlässig ausgeführt. In Zusammenarbeit mit den TechnologInnen des Unternehmens wurden eigene Details entwickelt und durch den Einsatz verkitteter Fugen zwischen den Glasflächen wurde deren Aussehen weiter verbessert.

    Projekt

    Name des Projekts:
    hiša C.H.I.K.

    Architektur, Außengestaltung:
    MF arhitektura, Miha Fujs udia, Lea Korošec mia, Samo Lorber mia

    Ort:
    Maribor, Slowenien, Europa

    Bauherr:
    TMJB d.o.o. in MF arhitektura Miha Fujs s.p.

    Fotografie:
    Matej Lozar

    Planungsjahr:
    2015-2016

    Ausführungsjahr:
    2017-2018

    Gebäudegröße:
    145 m2 + 35 m2 Nische/überdachter Rücksprung

    Stockwerke:
    eingeschossig

    Grundstücksgröße:
    575 m2

    Gebäudewert:
    200.000 EUR + MwSt.

     

    Detail

    Holzfassade_Hiša C.H.I.K_MF arhitektura

    „Die Fassade aus Sibirischer Lärche ist maßgefertigt. Die Latten wurden vor der Montage zu Paneelen zusammengefügt, an der Hinterseite verschraubt (von vorne unsichtbar) und an Alu-Abstandsprofilen aufgehängt, die in der Mauer zwischen der Steinwolle-Dämmung verankert sind. Zwischen der Dämmung und den Paneelen befinden sich eine diffusionsoffene Folie und eine Luftschicht. Die Latten sind im Querschnitt rautenförmig, sie sind jeweils 4 cm breit und in Abständen von ca. 1 cm angeordnet. Die Rautenform der Latten verhindert Sichtkontakt zum Fassadeninneren bzw. zur Folie. Die seitlichen Abschlüsse der Holzfassade an den Fensterlaibungen bestehen aus Farbblech in der Farbe der Aluminium-Fensterrahmen.“ Miha Fujs udia

    Ausführung: R LES, Robert Majal s.p.

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    Die Rautenform der Latten verhindert Sichtkontakt zum Fassadeninneren bzw. zur Folie. Die seitlichen Abschlüsse der Holzfassade an den Fensterlaibungen bestehen aus Farbblech in der Farbe der Aluminium-Fensterrahmen.
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    1. Das Gebäude wurde in Massivbauweise mit einer Bodenplatte aus armiertem Beton, Mauerziegeln sowie Säulen und Verbindungen aus Beton errichtet. Die AluAbstandsprofile, an denen die Fassade befestigt ist, sind in der Hauswand verankert.
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    2. Die Fassade ist mit einer Wärmedämmung aus Steinwolle ausgestattet.
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    3. Die Wärmedämmung ist mit einer diffusionsoffenen Folie bedeckt, zwischen der Folie und den Holzpaneelen muss eine Luftschicht vorhanden sein.
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    4. Die Holzfassade aus Sibirischer Lärche ist maßgefertigt. Die Latten wurden vor der Montage zu Paneelen zusammengefügt und an der Hinterseite verschraubt (von vorne unsichtbar).
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    5. Die Holzpaneele sind an Alu-Abstandsprofilen aufgehängt, die in der Hauswand zwischen der Steinwolle-Dämmung verankert sind.
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    6. Die Latten sind im Querschnitt rautenförmig, sie sind jeweils 4 cm breit und in Abständen von ca. 1 cm angeordnet. Die Rautenform der Latten verhindert Sichtkontakt zum Fassadeninneren bzw. zur Folie.

    Galerie

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    Aufgrund des Höhenunterschieds zwischen dem Versorgungsteil und dem höheren Wohnteil des Gebäudes erreichte der Architekt eine verstärkte natürliche Belichtung der Wohn- und Schlafräume durch einen Gürtel von Oberlichten an der Nordseite. Dies steigert den Wohnkomfort noch zusätzlich. (Autor: MF arhitektura)
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    Am Ostrand des Grundstücks sorgt neben einem grünen Vorhang auch ein Gabionenzaun für Intimität und Schutz vor etwaigem Lärm. (Foto: Matej Lozar)
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    Autor: DaiBau Magazin

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