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    Haus HGW_Architekt Gerald Diechler von pluspunkt architektur

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    Mittlerweile gibt es eine Reihe von Architekturbüros und ausführenden Firmen in Österreich, die sich ein Know-how im Bereich des CO2-neutralen und energieeffizienten Bauens zugelegt haben. Aber nur wenige von ihnen haben Erfahrungen mit der Strohballenbauweise bzw. verwenden den regionalen Baustoff Stroh zur Dämmung der Gebäude. Einer dieser Pioniere ist das Grazer Büro pluspunkt architektur. Es zeigt mit seinen Projekten, dass diese Form des ökologischen Bauens weder einen Widerspruch zu einer modernen Architekturhaltung darstellen noch den Verzicht auf technischen Komfort bedeuten muss.

    Text: Petra Kickenweitz
    Titelfoto: go-art georg ott

    Das Büro pluspunkt architektur hat sich bereits sehr früh mit dem Thema des ökologischen Bauens mit Holz und alternativen Baustoffen auseinandergesetzt. So plante pluspunkt bereits 2012 das österreichweit erste lastabtragende eingeschossige Strohballenhaus in Eichkögl (Steiermark). Das 2016 fertiggestellte Einfamilienhaus HGW ist durch seine auffällige Außenform und durch seine Konstruktionsweise aus Brettsperrholzelementen mit Strohballendämmung beispielgebend. Das ungewöhnliche Erscheinungsbild erhält der dreigeschossige Holzbau in Statt­egg nördlich von Graz durch die Gebäudesprünge und die markante Zinkblechfassade.

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    Das durch die Zinkfassade auffällige Einfamilienhaus HGW in Stattegg war 2017 für den Holzbaupreis nominiert. Die KLH Massivholz GmbH war beim Projekt als Kreuzlagenholzlieferant beteiligt.  (Foto: go-art georg ott)

    „Die Entwurfsidee“, so Architekt Gerald Diechler von pluspunkt architektur „generiert sich zum einem aus dem Anspruch einer ausgesprochen nachhaltigen und ökologischen Bauweise. Und zum anderen aus dem besonders exponierten und steilen Hanggrundstück sowie den räumlichen Anforderungen und Bedürfnissen einer 6-köpfigen Familie.“

    Das Wohnhaus, auf einem Sockelgeschoss mit Doppelgarage aus Ortbeton stehend, schiebt sich in den Hang hinein und nutzt diesen durch seine Höhenstaffelung optimal, ohne massive Geländeveränderungen. Die zwei darauf ruhenden Wohnebenen werden von der Garage aus über eine Treppe mit Garderobenschleuse erschlossen und teilt sich in ein Stockwerk für die vier Kinder und einen Wohnbereich inklusive Elternschlafzimmer auf.

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    Der eigentliche Haupteingang des Hauses liegt ostseitig im Erdgeschoss und wird durch das auskragende Obergeschoss geschützt. (Foto: go-art georg ott)

    Das Erdgeschoss als Ebene der Kinder beherbergt vier gleichwertige nach Süden orientierte Kinderzimmer, die als Rückzugsräume dienen. Sie werden durch den großzügigen nach Westen orientierten Gemeinschaftsraum, einen eigenen Bereich für Lernen und Spielen, erweitert. Dieser Aufenthaltsraum verlängert sich durch die vorgelagerte Loggia Richtung Garten. Über ein dem Kinderbereich und dem Haupteingang zwischengeschaltetes kleines Foyer erreicht man die zentrale Treppe ins Obergeschoss. Durch das kleine Foyer und die eigenen Sanitärräume lässt sich das Erdgeschoss zu einem späteren Zeitpunkt ohne großen Aufwand zu einer Einliegerwohnung umbauen. Auf dieser Ebene befindet sich zudem in den Hang hineingebaut der Technik- und Kellerersatzraum.

    Ins Obergeschoss – und damit in den offenen Ess- und Küchenbereich – gelangt man über eine einläufige schlichte Holztreppe. Der nach Westen orientiere Wohnraum ist von diesem Bereich durch eine Wandscheibe abgetrennt. Im östlichen Teil des Hauses befinden sich das Elternschlafzimmer mit eigenem Badezimmer und Sauna sowie der Wirtschafts- und Abstellraum.

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    Über eine massive Holztreppe erreicht man das luftige Obergeschoss. (Foto: go-art georg ott)

    Das Zentrum des Hauses erscheint überaus großzügig und außergewöhnlich durch den leicht trapezförmigen Grundriss und die asymmetrische Dachverschneidung aufgrund des diagonal versetzten Satteldachs mit aufgesetzter Laterne und nach Norden ausgerichteten Dachflächenfenstern. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die reduzierte Farb- und Materialgestaltung, die sich durch alle Räume des Hauses zieht. Die auf Sicht belassenen Brettsperrholzelemente wurden weiß lasiert, der Estrich lediglich versiegelt und die Innenwände, mit Gipskarton beplanktes Ständerwerk, weiß gestrichen. Einzelne Räume, wie der langgestreckte Gemeinschaftsraum der Kinder, entfalten allein aufgrund der Materialwirkung der Sichtbetonwand und der raumhohen Verglasung ihre besondere Atmosphäre. Holzelemente aus massiver geölter Eiche wurden sehr sparsam im Bereich der Treppe und Küche eingebaut. Zusätzlich wurden einzelne Brettsperrholzwände, wie in der Küche, Bad, Schlaf- und Kinderzimmer, mit Lehm in unterschiedlichen Ockertönen verputzt. Der Lehmputz reguliert in diesen Bereichen das Raumklima, indem er Feuchtigkeit aufnimmt und abgibt, Schad- und Geruchsstoffe bindet und schallisolierend sowie wärmespeichernd wirkt.

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    Der Küchenbereich, von der Tischlerei Kröpfl gefertigt, hebt sich optisch durch die Holzoberfläche der fix eingebauten Möbel und der farbigen Lehmwand vom restlichen zurückhaltend gestalteten Wohnraum ab. (Foto: go-art georg ott)

    Dieses Spiel mit der Materialität, das sich durchwegs aus der Funktionalität und auch etwas Pragmatismus ergibt, wurde auch konsequent bei der Außenhülle umgesetzt. Hier finden sich an exponierten Stellen in der Fassade Holz-Alu-Fenster, während an überdachten geschützten Stellen reine Holz-Fassadenelemente und Holzoberflächen, weiß lasiert wie im Innenraum, gesetzt wurden. Eine hinterlüftete und im Werk gekantete Zinkblechfassade bildet sowohl den Wand- als auch Dachabschluss und prägt damit die monolithische Wirkung des Hauses.

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    Der Küche zugeordnet findet sich der Zugang zur überdachten Terrasse. Für den Terrassenbelag wurde, für die Steiermark typisch, der Naturstein Stainzer Hartgneis in unregelmäßigen Plattenformaten verlegt. (Foto: go-art georg ott)

    Projekt:

    Name des Projektes:
    Wohnhaus HWG

    Architektur:
    Architekt DI Gerald Diechler, pluspunktarchitektur

    Ort:
    Stattegg, Steiermark  

    Planungsjahr:
    2016

    Ausführungsjahr:
    2016/17

    Nutzfläche:
    210m2 (inkl. Kellerersatzflächen)

    Grundstücksgröße:
    ca. 1600n2

    Kosten:
    ca. € 2.200.-/m2 NNF (Brutto)        

    Fachplaner:

    örtliche Bauaufsicht:
    pluspunktarchitektur, 8010 Graz

     

    Auftragnehmer:

    Elektroinstallationen:
    Elektro Weiland GmbH, 8041 Graz

    Küche:
    Tischlerei Kröpfl, 8222 St. Johann bei Herberstein

     

    Baumaterialien:

    Kreuzlagenholz:
    KLH Massivholz GmbH, 8842 Teufenbach-Katsch

    Technische Informationen:

    Grundstücksvermessung

    Bei einem Grundstück mit einem derartigen Steilhang ist eine Bodenuntersuchung im Vorfeld der Planung unumgänglich. Im Zuge des von Insitu Geotechnik ZT GmbH durchgeführten Bodengutachtens wurden Empfehlungen zur Gründung, Baugrubensicherung, Hang- und Böschungssicherung sowie Entwässerung des Grundstücks abgegeben, die dem Architekten als Entscheidungsgrundlage dienten.

    Konstruktion

    Bei Haus HGW wurden Strohballen als Dämmung vor die massive Brettsperrholzkonstruktion, welche die Wand- und Dachebene bildet, gesetzt. Dazu wurden den Massivholzelementen zusätzlich Holzriegel vorgelagert und dazwischen die Strohballen gestapelt. Die standardisierten und zertifizierten Baustrohballen, die mittlerweile europaweit als Dämmbaustoff zugelassen sind, wurden zusätzlich in der Wandebene festgezurrt und entstandene Zwischenräume mit Stroh ausgestopft. Damit ist dies eine weitgehend kunststofffreie und HFKW-freie Bauweise, die auch kostengünstig durch Eigenleistungen, u.a. der Dämmung des Hauses, umgesetzt werden konnte.

    Haustechnik

    Im Haus HGW sorgen lediglich eine thermische Solarkollektor-Anlage auf dem Dach und ein konventioneller Stückholz-Küchenherd für die Wärmegewinnung und zeitverzögerte Wärmeverteilung über die Fußbodenheizung. Damit kann der gesamte jährliche Heizungs- und Warmwasserbedarf mit einem 2000-Liter-Pufferspeicher im Haus gedeckt werden.
    Für die technisch kompetente und zuverlässige Umsetzung der kompletten Elektroinstallation zeichnete sich die Firma Elektro Weiland GmbH aus Graz verantwortlich.

    Galerie

     

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    Die Garage im Untergeschoss gräbt sich in den Hang ein. (Pläne: pluspunkt architektur)
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    Das Erdgeschoss mit dem Haupteingang im Osten beherbergt die Kinderebene, die sich zu einer Einliegerwohnung umbauen lässt. (Pläne: pluspunkt architektur)
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    Das Obergeschoss mit dem eigentlichen L-förmigen Wohnraum öffnet sich auf drei Seiten und holt damit über den ganzen Tag verteilt Licht in die Räume. (Pläne: pluspunkt architektur)
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    Im Schnitt zeigt sich die räumliche Staffelung im Hang mit vor- und zurückspringender Fassade. (Pläne: pluspunkt architektur)
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    Der erdberührte Bauteil wurde in Stahlbeton gefertigt und die Obergeschosse in massiver vorgefertigter Brettsperrholzkonstruktion ausgeführt, die innerhalb weniger Stunden vor Ort montiert wurden. (Foto: pluspunkt architektur)
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    Die Brettsperrholzkonstruktion für die Strohballendämmung wurde kastenförmig ausgeführt. (Foto: pluspunkt architektur)
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    Autor: DaiBau Magazin

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